1969 Drogenarzt seit KINDER DURCH REZEPTFREIE SCHLAFMITTEL STARBEN

Als es noch keine Intensivstationen gab, kam eine pummelige 14 Jährige hechelnd aus Schwabing an und erzählte, dass sie aus Selbstmordabsicht 16 Tabletten eines rezeptfreien Schmerzmittels „Rosimon-Neu“ geschluckt hatte, das ihre Oma gegen Rheumaschmerzen geschluckt hatte. Bei der Magenspülung im Arztzimmer der Station 15 verstarb sie und ließ sich nicht mehr wieder beleben. Meine Frau war als Assistenzärztin dabei und regte sich sehr auf. Sie meinte, man hätte vielleicht etwas falsch gemacht. Die Presse berichtete groß darüber. Man fragte mich nach den toxikologischen Hintergründen. Ich studierte alles eingehend, sprach mit Dr. Max von Clarmann, dem damaligen Leiter der toxikologischen Abteilung im Krankenhaus rechts der Isar.

Ich stellte einen umfangreichen Therapieplan für einen solchen Fall aus, da 3 hochgiftige Substanzen in einer Tablette zusammenkamen, die alle anders behandelt werden mussten.

Wie es der Zufall will kam danach, genau 6 Monate später, nach Eröffnung unserer toxikologischen Intensivstation wieder ein 14 jähriges, völlig unauffälliges Mädchen auf diese Station. Sie hatte nach lesen des Zeitungsartikels auch 20 Tabletten Rosimon-Neu geschluckt, weil sie wissen wollte, was passiert. Sofort wurde bei ihr ein zentraler Venenkatheder angelegt, Magenspülung, hohe Darmspülung, Medizinalkohle, Plasmainfusionen, Alkalisierung, bei Verschlechterung Intubation (Einführung eines Tubus in die Luftröhre), Beatmung, prophylaktisch externer Herzschrittmacher. Trotzdem kam es nach 2 Stunden zum Kammerflimmern, trotz Defibrillation (zur Beseitigung des Kammerflimmerns), dann Herzstillstand. 14 Stunden lang wurde sie dann das Herz  massiert. Trotzdem war alles erfolglos. Als alle völlig erschöpft und deprimiert waren, schlich sich heimlich ein Reporter der Quick-Illustrierten im weißen Kittel auf die Station und fotografierte die Leiche. Ahnungslos sprach ich mit ihm, da vorher etwa 20 Ärzte, Anästhesisten, Schwestern und Pfleger aus der ganzen Klinik, die wir meist nicht kannten, herzhaft mitgeholfen hatten.

Ich sagte: „Dieses Mittel ist ein heimtückisches Teufelszeug, wogegen es keine Hilfe gibt. Es gehört unbedingt verboten.“

Unbemerkt fotografierte der Reporter auch mich und zitierte mich wörtlich. Dieser Artikel rüttelte alle auf. Die Herstellerfirma Ravensberg am Bodensee schickte mir darauf eine Klageandrohung mit 500.000 DM Entschädigung, da der Markt zusammengebrochen sei. Verzweifelt ging ich zu dem mir gut bekannten Ordinarius der Rechtsmediziner,Prof.Spann, er kannte meine Mutter und meine Tante, die dort vor 30 Jahren gearbeitet und ihre Doktorarbeit geschrieben hatten. Er sagte: „Du Depp, so ruinierst Du Deine Frau und Deine 4 Kinder. Nicht einmal einen Rechtsanwalt kannst Du Dir so leisten.“ Er sah nach den bei ihm sezierten Fällen. Zum Glück waren beide Gehirne wegen Auffälligkeit noch vorhanden und in Alkohol eingelegt. Sein Oberarzt Prof. Sem hatte den Auftrag, diese zu untersuchen und zu vergleichen. Er fand, dass ein hochgradiger, medikamentenbedingter Untergang der Kleinhirn-Körnerzellschicht eingetreten war, der eine Wiederbelebung unmöglich gemacht hatte. Die Ergebnisse hat er mit mir auf der 50. Jahrestagung des Deutschen Gerichtsmedizin in Mainz vorgestellt. Zittrig las ich meinen ersten später von über 1000 Vorträgen vom Manuskript ab und erhielt vom Vorsitzenden wegen der Wichtigkeit und Ungeheuerlichkeit eine alte römische Münze im für diesen Anlass geprägten Samtkästchen feierlich überreicht.

 

Daraufhin zog die Firma Ravensberg wortlos ihr giftiges Mittel vom Markt zurück. Ein funktionierendes Gesundheitsministerium gibt es ja bis heute noch nicht (Amalgam!).

 

Da die Zeitschrift mich fälschlich als Drogenspezialist bezeichnet hatte - so etwas gab es damals Jahre noch nirgendwo - kamen hunderte von Drogenabhängigen bzw. ihre Eltern später zu mir, so dass nach der Klinikarbeit abends und nachts unzählige unbezahlte, nicht vom Arbeitgeber angeordnete Überstunden anfielen – zum Leidwesen meiner Familie. Später schrieb ich das dreibändige Handbuch der Drogen-Therapie.

(Auszug aus meiner neuen Biografie)